Olympia – die Spiele in Rio und noch viel mehr

“The goal of the Olympic Movement is to contribute to building a peaceful and better world by educating youth through sport practised in accordance with Olympism and its values.”

(Olympic Charter in der Fassung vom 2. August 2016)

Alle 2 Jahre wird die Welt von dem anscheinend niemals endenden Zyklus der 5 Ringe Veranstaltung in Anspruch genommen. Es erscheint selbstverständlich, dass die Repräsentanten der Staatenwelt sich als die eigentlichen Herren der Ringe geben, auch wenn Gauck mit Gebiss-Problemen (vielleicht das Langzeit-Produkt einer Stasi-Intervention) das Gala-Dinner mit den deutschen Athleten ausfallen lassen musste. Entsprechend erschienen 45 Staatsoberhäupter. Andere abwesende Präsidenten senden Gruss-Adressen. Ohne ihre Rivalitäten, Gegensätze und Feindschaften ruhen zu lassen, werden diese für 16 Tage um die Sphäre des Sportes ergänzt. Nur durch ihre Genehmigung und Aufsicht werden die Spiele zum globalen Ereignis.

Der Funktionär

Eine merkwürdige Figur ist der Sportfunktionär. Fast schon automatisch sind hier wieder jene vertreten, die überall die Spitzen von nicht- und staatlichen Organisationen ausmachen – treue Diener des Staates und mit der guten Beziehung zur sogenannten Wirtschaft Am Beispiel des Präsidenten des IOC: Thomas Bach, Mitglied der FDP und in deren Stiftung einst Schatzmeister, bewies, dass er mit Geld umgehen kann. So schloss er mit Siemens 2008 einen Berater-Vertrag ab, der ihm ein Jahresgehalt von 400,000 Euro und ein Tage-Geld von 5,000 Euro garantierte. Als ehemaliger Olympia-Teilnehmer bewies er seine uneingeschränkte Fähigkeit, den Prinzipien des

“Olympism is a philosophy of life, exalting and combining in a balanced whole the qualities of body, will and mind” /Olympic Charta/

zu entsprechen. Status und persönliche Bereicherung sind eben keine Gegensätze, sondern das eine ist die Bedingung für andere.

Den Status einer relativen Autonomie gewährt der Staat  bisweilen seinen öffentlich agierenden Körperschaften in der Gewissheit und dem Anspruch, dass diese verantwortungsbewusst auch die richtigen Charaktermasken an die Hebel ihrer Macht setzen.

Die Organisation

Das IOC selbst hat die Prinzipien der freien Marktwirtschaft klar erkannt und agiert erfolgreich in der Welt des Profitmachens: alleine der Verkauf der Fernseh-Rechte in Rio garantiert Einnahmen in Höhe von 5 Mrd. Dollar. Es versteht sich von sich selbst, dass die nominierten Austragungsstätten die Kosten für die gigantischen Stadien zu tragen haben (Rio = 9 Mrd.) Gemäß und im Einklang mit der herrschenden Produktionsweise wird weder auf die Interessen der ansässigen Bevölkerung (Vertreibung von 70,000) noch auf die Natur (Golfkurs in Barra, der teilweise in einem Naturschutzgebiet entsteht) Rücksicht genommen. Der wenig beliebte Thomas Bach hebt indes hervor, dass der Bau der neuen U-Bahn Linie 4 vielen Menschen den Nahverkehr ermöglichen würde – die brauchen dann die Leute, die ohne Wohnung sonstwohin verfrachtet worden sind, um die Wüste der Monumental-Bauten zu besuchen, die dann keiner mehr braucht.

Ist der Staat des Austragungsortes auch noch so desolat organisiert, Polizei und Armee funktionieren einwandfrei, um die Proteste gewaltsam und brutal niederzuschlagen.

Das olympische Motto „Citius, altius, fortius“ (Schneller, höher, stärker) wird so zur Verpflichtung in einer bürgerlichen Moral, dem sich alle praktisch zu unterwerfen haben – egal ob TV, Netz und Smartphone in die Übertragung der einzelnen Sportarten eingeschaltet werden oder nicht. Abweichungen je nach Umfang, Intensität und Dauer werden entsprechend geahndet – notfalls auch mit „Feuer und Flamme“.

Die/Der Akteur

Die Kovoso-Athletin und Medaillen-Gewinnerin Majlinda Kelmendi bringt es auf den Punkt: „Diesmal hatte ich meine Flagge, meine Hymne, und das ist einer der ersten Gründe, warum ich so motiviert war…“ (Süddeutsche Zeitung, 9. Aug 2016). Mehr nicht? Es ist schon recht eigenartig, dass sich Menschen in einer bestimmten Phase ihres Lebens die Tortur der olympischen Trainingszentren auf sich nehmen und alles dem Ziel der Teilnahme und einem möglichen Sieg unterordnen Selbst bei einem Erfolg ist das ‚Besser-Sein‘ mit dem bloßem Auge oft nicht mehr erkennbar – es handelt sich um Bruchteil von Sekunden oder Millimetern. Der Namen des Akteurs wird gehört und im selben Moment auch schon wieder vergessen, auch wenn der Playboy erfolgreiche Sportlerinnen begutachtet oder Privatsender neue Gesichter in ihren Dschungelcamps suchen. Mit Erreichung des 30 Lebensjahres werden teilnehmende Sportler bisweilen auch belächelt. Wieviele schon mit Mitte 20 in den Handlungsbereich der Berufsgenossenschaften wegen erwiesener Arbeitsunfähigkeit fallen, ist nicht einfach zu ermitteln

Da die natürlichen Eigenschaften und Beschaffenheit des Menschen oftmals nicht ausreichen, den gesetzten Leistungsstandards zu entsprechen, ist der Zugriff auf Hilfsmittel nahezu unausweichlich.  Das Doping wird zum Skandal als Einnahme von unerlaubten Substanzen und Hilfsmitteln. Die Sportmediziner und die entsprechende Industrie sind gefordert, um neue Gifte zu entwickeln, die nicht auf der Liste stehen. Hitverdächtig sind dabei jene, die in kürzester Zeit nicht mehr nachweisbar sind. Im Januar eines jeden Jahren gibt es dann eine neue Liste. Die Toleranz-Grenze ist hoch: so verweigerte besagte Majlinda noch im Juni einen Test der Anti-Doping Agentur – ausser es handelt sich um russische Sportler. Der Zusammenhang mit den Kriegen in Syrien und Ukraine, in denen Russland dem freien Westen Paroli bietet ist, ist nicht zufällig.

Allerdings ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Sportler werden einerseits die Leistungsanforderungen erhöht. So wurde beim Radrennfahren eine extra gefährliche Strecke ausgewählt und die Folge sind Unfälle, bei denen Teilnehmer dann statt auf dem Podest  sich in der Intensiv-Station wiederfinden. Die Bedingungen, unter denen Sportler sich betätigen, unterliegen überhaupt keinen Standards: Die Farbe der Schwimmbecken änderte sich über Nacht in grün – Ursache: explosionsartige Vermehrung von Algen – Gegenmassnahme: eimerweise Chemie.

Es ist klar, dass die Leistungen der Sportler nur eine abhängige Variable darstellen – ausschlagend ist der Medaillenspiegel, in dem die Staaten die Leistungen der Vertreter ihres Volkes begutachten können und im Vergleich mit anderen Nationen entweder Nachholbedarf ausmachen oder die Erfolge mit Genugtuung abfeiern.

Olympia und Politik

Die Organisation „IOC“ kann aufgrund ihres anerkannten Anspruchs, die Leistungen der Staaten im Bereich des Sports zu messen und dabei die Organisation der Spiele zu gewährleisten, ein erhebliches Macht- und Erpressungspotential einsetzen. Schließlich ist der Austragungsort eine Sache des Prestige und die Bewerber um eben diese Ehre setzen alle Mittel ein, um den Zuschlag zu erhalten. Korruption, Vertuschungsvorwürfe und mangelnde Transparenz ist die ewig gleiche Begleitmusik. Der Staat, in dessen Zuständigkeitsbereich letztendlich der Austragungsort fällt, erhält die Möglichkeit einer Selbstdarstellung. Ein modernes offenes Gemeinwesen, dass die Herausforderungen verlässlich bewältigt und sich als ernstzunehmender Partner in der Staatenwelt offerieren kann.

Das Deutschland die Zustimmung seiner Bürger einholte und auchden Negativ-Bescheid in Berlin und Hamburg akzeptierte, ist kein Indiz einer Kritik oder gar Gegnerschaft zu den Olympischen Ideen – im Gegenteil: es trotzt vor Selbstbewusstsein, dass die Wirtschaftsmacht Deutschland keiner gesonderten Präsentation ihrer Potentiale bedarf. Die Kalkulation ist einfach: Das IOC übernimmt die Einnahmeseite während der erfolgreiche Bewerber für die Kostenseite zuständig ist – eine Art Sport-Imperialismus.

Die Idee einer Konkurrenz mit einer uneingeschränkten Leistungsbereitschaft seiner Akteure ohne Rücksicht auf die persönliche Verfasstheit ist genau die Moral, die in den Fabriken, Büros, Farmen und in den Schwitzbuden der Nation gebraucht wird. Es bleibt in der Schlussrechnung, dass Staat und Besitzende noch reicher werden. Auf das trotz ständiger Berichterstattung insbesondere über den Erfolg deutscher Athleten und deutscher Pferde der olympische Funke nicht überspringen möge.

 

Composed by The Goofer

Der Klimawandel - Produkt des globalisierten Kapitalismus & Streitobjekt der Staaten die ihn organisieren

Die Verwandlung der Beschädigung natürlicher Lebensgrundlagen...

Teil 1: ...in ein Kostenproblem des Kapitals
Teil 2: ...in eine internationale Affäre
Teil 3: Die wirkliche Triebfeder der Sorge ums Klima: imperialistische Energiepolitik
Teil 4: Das Klima in Heiligendamm: Stoff für die Konkurrenz um imperialistische Führungsmacht
Teil 5: Nachtrag zum Emissionshandel - Diskussion

Zum anhören:  Gegenstandpunkt- Veranstaltung vom 21.6.2007 mit Peter Decker

 

 

Wutbürger machen Mobil gegen „Multikulti, Werteverfall Überfremdung und Volkstod“ - Was macht Rassismus und Nationalismus zum Dauerbrenner?

Deutsche Werte stehen hoch im Kurs, nicht nur bei den Neofaschisten die am 12.9. in Hamburg demonstrieren wollten, sondern z.B. auch bei der Bildzeitung. Wenn Aktivbürger und deutsche Meinungsmacher die Sorge um deutsche Identität umtreibt dann ist das seltsam. Lauter Leute, die mit ihren privaten Interessen gegeneinander stehen, ob Mieter und Vermieter, "Arbeitgeber" und "Arbeitnehmer",sollen sich plötzlich alle in einem Boot fühlen.  Woher kommt der Aufschrei gegen "Überfremdung", die Sorge um deutsche Arbeitsplätze und Wohnraum, wo es doch nicht die Asylbewerber sind die Betriebe schließen oder die Mieten explodieren lassen?

Vortrag und Diskussion

Beginn:          Mittwoch  11. 11. um 19:00 Uhr

Ort:                 MTZ, Lindenallee 72, (U2-Christuskirche)

Veranstalter:   Liga gegen den Kapitalismus